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Fortsetzung

Wirtschaft

Die brasilianische Wirtschaft war ein kronisch kranker Patient, der nur gelegentlich euphorisch aus seinem Bett sprang, um bald wieder einen Rückfall zu bekommen. Diese Krankheit hatte viele Ursachen: Misswirtschaft, Korruption, jahrzehntelange Versäumnisse und Fehler in der Ordnungs- und Sozialpolitik sowie mangelnde staatliche Autorität. Hinzu kommt die Unantastbarkeit heiliger Kühe wie Einkommens- und Landverteilung, Rüstungsausgaben und eine wuchernde Bürokratie, die dem Patienten das Blut abschnürt. Verschärft wird die Lage noch durch die allseits verbreitete Bereitschaft zu kollektivem Durchwursteln.

Die schlimmsten Symptome der Krankheit sind: wirtschaftliches Chaos, eine starke Kapitalflucht, eine galoppierende Inflation und eine hohe interne wie externe Verschuldung. Die bevorzugte Therapie bestand bis Mitte der 1990er Jahre aus scheinbar genialen Radikalkuren, die meist nur kurze Genesungsphasen auslösten.

Es mangelt in Brasilien keineswegs an fleißigen Menschen, an ideenreichen Unternehmern, an technischer Intelligenz, an Rohstoffen und fruchtbarem Land. Es mangelt vor allem an einer leistungsgerechten, sozialverträglichen und stabilen Grundordnung. Am deutlichsten zeigt sich das daran, dass es diesem Land dauerhaft nicht gelingt, seine Bevölkerung ausreichend zu ernähren und mit dem Allernötigsten zu versorgen, während Güter des gehobenen Bedarfs in Hülle und Fülle vorhanden sind.

Eine wesentliche Verbesserung brachte die Wirtschafts- und Währungsreform von 1994 (Plano Real). So blieben in den Jahren danach die Lebensmittelpreise relativ stabil, ebenso die Löhne. Vor allem stieg die Kaufkraft um erfreuliche 15 Prozent. Die Menschen strömten in die Kaufhäuser, Shoppings genannt. Insbesondere Elektronikartikel, Statussymbole ersten Ranges, sind wahre Selbstläufer.

Erst dem Präsidenten Fernando Henrique Cardoso (Amtsantritt 1994) ist es gelungen, die galoppierende, jahrzehntelang zum Alltag gehörende Inflation entscheidend zu senken - sie betrug 2001 gut sechs Prozent und ist seitdem stabil bei fünf bis sechs Prozent. Die Schwerpunkte seines Programms waren: eine drastische Privatisierungskampagne; weitgehende Liberalisierung der Wirtschaft, die sich dem Weltmarkt öffnete; Sanierung der Staatsfinanzen und ein radikaler Sparkurs.


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